Die meisten Vereine oder Sportler haben Fotos als Chronik. Wer einen Korb geworfen hat, wie es ausgegangen ist, elf Männer in einer Reihe vor dem Anstoß. Eine Aufzeichnung. Der Beweis, dass es wirklich passiert ist.
Schön. Aber das reicht nicht aus.
Denn eine Chronik lockt niemanden auf die Tribüne. Und genau das soll ein Vereinsfoto bewirken.
Ein gutes Sportfoto ist nämlich keine Reportage. Es ist ein Marketinginstrument. Seine Aufgabe ist es nicht, festzuhalten, dass das Spiel stattgefunden hat – das schafft heute schon jeder Passant mit seinem Handy. Seine Aufgabe ist es, Lust darauf zu wecken. Den Sport so zu zeigen, dass man ihn live sehen, aus voller Kehle jubeln und sich ein Trikot kaufen möchte.
Und die Vereine wollen nicht für Fotos bezahlen. Oft zu Recht.
Ich sage es ganz offen: Die meisten Vereine wollen nicht für Fotos bezahlen. Und ganz ehrlich? Sie haben recht.
Denn wer kümmert sich heutzutage schon um Fotos? Der Sohn des Trainers. Oder der Typ aus der Marketingabteilung. Mit dem Handy, zwischen zwei Spielen – Hauptsache, es gibt überhaupt was. Und dafür bezahlen? Unsinn. Davon würde ich dem Verein selbst abraten.
Doch genau hier liegt die Falle. „Wir zahlen nicht für Fotos“ bedeutet nämlich nicht „wir brauchen keine Fotos“. Es bedeutet „wir weigern uns, für eine Reportage zu zahlen“ – und das ist völlig in Ordnung, denn eine Reportage hat den Wert einer Reportage. Sobald es um Marketing geht, ist dieser Wert so gut wie null.
Ich liefere aber keine Reportage. Ich liefere etwas ganz anderes. Eine andere Liga, ein anderer Zweck, eine andere Wirkung. Das mit den Fotos des Sohnes des Trainers zu vergleichen, ist so, als würde man ein Plakat vor dem Kino mit einem Passfoto vergleichen.
Ein Foto, das nicht anspricht, ist so gut wie nicht vorhanden
Hier ist der Test. Und er ist gnadenlos: Wenn das Foto nicht zum Ausüben dieser Sportart anregt, ist es so gut wie nicht vorhanden.
Niemand will sie sich ansehen. Niemand teilt sie. Niemand empfindet etwas dabei. Wozu dient sie dann eigentlich? Sie hat Sie genauso viel Zeit und Geld gekostet wie das Werk, das die Massen anzieht. Nur liegt sie in einer Galerie, die seit Jahren niemand mehr betritt. Und wenn Sie mal eines davon verwenden müssen, passt keines – es ist einfach nicht das Richtige.
Ein Bericht fällt fast immer durch dieses Raster. Ein Marketingfoto wird direkt dafür erstellt.
Zeig diesen Sport so, wie ihn noch niemand gesehen hat
Die Reportage zeigt, wie der Spieler auf dem Platz steht. Das Marketingfoto fängt diesen Bruchteil einer Sekunde ein – die Anspannung, die Wut, die Anstrengung, den entscheidenden Ball – und zwar so, dass selbst jemand, der sich noch nie für Sport interessiert hat, die Augenbrauen hochzieht.
Damit es sexy ist. Damit der Verein damit prahlen will. Damit er es auf seine Website stellen, in den sozialen Netzwerken posten, auf ein Plakat drucken und in die Welt hinausrufen will: Das sind wir.
Und es funktioniert tatsächlich. Ich habe einen Tischtennisverein aus der Extraliga fotografiert. Nach dem Shooting hat auch der Verband angefangen, diese Fotos zu nutzen. Der Verein war plötzlich überall zu sehen. Die Fotos landeten nicht in der Schublade – sie verbreiteten sich weiter, weil die Leute sie nutzen wollten. Ein Marketinginstrument in seiner ganzen Pracht.
Und nun zum Wichtigsten: der Sponsor
Hier werden Fotos zu Geld.
Ein Sponsor will sein Logo nicht auf einem langweiligen Bericht, den sich niemand ansieht. Er will bei Bildern dabei sein, die groß, ansprechend und professionell wirken. Er will dort sein, wo die Leute hinschauen.
Tolle Bilder bedeuten nicht einfach nur eine „schönere Galerie“. Sie bedeuten eine stärkere Verhandlungsposition, wenn Sie Partner gewinnen und an sich binden wollen. Ein Verein, der größer und begehrter wirkt, als er derzeit ist, verkauft sich den Sponsoren fast von selbst. Und das spürt man schon im Budget, nicht erst im Fotoalbum.
Also nein – es geht nicht darum, Fotos zu haben
Die sozialen Netzwerke sind heute voll von Fotos vom Spiel. Selten sind jedoch Fotos, die wirklich etwas bewirken: die Lust auf Sport wecken, den Verein in die Liga bringen, in die er gehört, und dem Sponsor einen Grund geben, dabei sein zu wollen.
Es ist genau dasselbe wie bei der Website. Die Reportage zeigt lediglich, was war – wie ein Katalog. Das Marketingfoto lockt an und verkauft – wie ein guter Verkäufer.
Und egal, wie pointiert der Bericht auch sein mag: Wenn er nicht für diesen Sport begeistert, ist er so gut wie nicht vorhanden.
